Verschiedene Fragen


Ist es möglich, dass ein Kind erst mit 12 bzw. 13 Jahren legasthene Züge zeigt, aber bis zu diesem Zeitraum keine Auffälligkeiten diesbezüglich vorhanden waren?
Wie Sie ja wissen, ist eine Legasthenie eine biogenetische Anlage und im Menschen vorhanden. Natürlich gibt es Menschen, die ihr Problem lange kompensieren können und erst später auffällig werden. Tatsächlich sehen aber Spezialisten schon wesentlich früher Anzeichen, die von Laien übergangen oder falsch gedeutet werden. Schauen Sie sich doch einmal Schriftproben von der VS an und machen Sie eine Fehleranalyse. Dann machen sie einen Test auf pädagogisch-didaktischer Ebene, damit Sie Klarheit gewinnen.

Wieweit wirkt sich die Zweisprachigkeit bei einem Kind auf seine Legasthenie aus?
Die Zweisprachigkeit ist stets nur ein verstärkender Faktor bei einer vorhandenen Legasthenie, ist aber schwer auszuschalten, wenn beide Elternteile andere Muttersprachen haben. Bewährt hat sich aber in diesen Fällen immer, dass zwar zweisprachig gesprochen wird, aber nur in einer Sprache vorerst geschrieben wird.

Was ist die phonologische Bewusstheit?
Phonologische Bewusstheit ist die Voraussetzung bei Kindern die Sprache richtig wahrzunehmen und ein inneres Bild der Sprachelemente (Phoneme) zu haben. Wenn Kinder z.B. nicht wissen, wie ein b oder p klingt, können sie beim Lesen und Schreibenlernen die Hörlaute nicht mit den Schriftzeichen richtig verbinden. Eine schlecht entwickelte phonologische Bewusstheit beim Schuleintritt kann dann leicht zu Lese-Rechtschreibproblemen LRS führen. Normalerweise lernen Kinder eine phonologische Bewusstheit einfach durch das Sprachangebot im Elternhaus und Umfeld. Immer häufiger sind diese Prozesse unzureichend oder entwickeln sich nicht ausreichend. Wobei noch offen ist, welche Ursachen am häufigsten sind. Im Laufe der Kindesentwicklung werden Hörreize zunehmend automatisch verarbeitet, sodass am Ende einer erfolgreichen Sprachentwicklung, noch vor der Einschulung verschiedene Fähigkeiten entwickelt sind.

Ist der Grund für den Analphabetismus bei Erwachsenen in einer Legasthenie zu suchen?
Natürlich ist der Grund für Analphabetismus bei Erwachsenen vielfach in einer Legasthenie zu suchen. Oftmals ist diese Problematik auch erworben durch schlechte Beschulung etc., dann ist der Grund dafür eine erworbene LRS. In beiden Fällen ist zuerst festzustellen, wie weit die Fähigkeit zu schreiben oder zu lesen vorhanden ist, um dann dementsprechende Interventionen zu treffen. Über den Analphabetismus gibt es jede Menge Literatur, zumeist nur theoretische. Hier finden Sie Informationen zum Erwachsenentraining: www.legasthenieverband.com/erw/

Schwäche, Störung, Behinderung, Krankheit, immer wieder hört man die Begriffe im Zusammenhang mit Legasthenie.
Dazu ein Zitat:„Frau Dr. Kopp-Duller lässt das legasthene Kind unter einer endlich anderen Sichtweise erscheinen, vermeidet die Begriffe wie Schwächen und Störungen, ersetzt die Defizitbrille mit der Fähigkeitsbrille...“

Wann und wo gibt es weitere Veranstaltungen zum Thema Legasthenie?
Veranstaltungen werden in der Zeitung "Austrian Legasthenie News" und auf http://www.legasthenie.com angekündigt.

Über Ritalin hört man die verschiedensten Meinungen, wie wirkt Ritalin auf ein legasthenes Kind?
Für ein legasthenes Kind ohne Sekundärproblematiken psychischer Art ist dieses Medikament abzulehnen, da es schwerwiegende Nebenwirkungen hat. Es gibt aber psychisch erkrankte Kinder, die dieses Medikament zur Verbesserung der Lebensqualität tatsächlich benötigen.

Was tue ich, wenn ich merke, dass bei einem Kind, welches ich trainieren soll, psychische Störungen vorliegen?
Unbedingt einen Fachmann zuziehen. Achtung: Dies muss im Einverständnis mit den Eltern geschehen. Auch ist es wichtig, die Eltern mit Bedacht aufzuklären.

Immer wieder stößt man darauf, dass Legasthenie als "Störung" bezeichnet wird, ist das richtig? Wir arbeiten doch mit gesunden Kindern!
Legastheniespezialisten arbeiten in erster Linie mit gesunden Kindern, da man das legasthene Kind nicht im Vorhinein als "krank" bezeichnen kann. Doch stellt sich in der Praxis immer wieder heraus, dass einige Kinder an so genannten Sekundärproblematiken leiden. Sollten sich diese zeigen, so ist oft zusätzliche Hilfe von Fachleuten notwendig. Bezeichnungen wie "Störungen", "Schwächen", "Behinderung" oder "Krankheit" sollten für ein legasthenes Kind ohne Sekundärproblematik vermieden werden.

Was sind Algorithmen?
Der Ausdruck kommt im Kapitel "Dyskalkulie" vor. Kinder, welche unter einer Dyskalkulie leiden verwenden oft so genannte Algorithmen, die sie sich selbst erschaffen, und welche auch bis zu einer bestimmten Summe stimmen können. Wichtig ist immer zu hinterfragen, wie das Kind zum Ergebnis gekommen ist. Dieser Denkstruktur können falsche Algorithmen zu Grunde liegen. Zählen ist der Ursprung jeder mathematischen Operation. Versuchen Sie deshalb, Kinder unbedingt zum Zählen anzuhalten (siehe Film). Die Symbolik der Zahl soll bei jedem Rechenvorgang, der bildlich gezeigt wird (z. B. Kugeln oder Smarties), immer dabei sein. Zeigen Sie dem Kind z. B. den Rechenvorgang 5 mal 5, so legen Sie fünf mal fünf Kugeln auf die eine Seite und fünfundzwanzig Kugeln auf die andere Seite. Unterhalb der Kugeln sollen aber unbedingt die dazugehörigen Zahlen liegen.

Was versteht man unter Lateralisationsentwicklung?
Darunter versteht man die Spezifikation der beiden Gehirnhälften.

Was versteht man unter Hypoaffektivität?
Darunter versteht man das Verhalten von Kindern, in geringerem Ausmaß emotional ansprechbar zu sein. Sie ziehen sich völlig zurück.

Was versteht man unter Hyperaktivität?
Darunter versteht man eine übertriebene kindliche Aktivität, vereint mit Lernschwierigkeiten und der Unfähigkeit bei allen Tätigkeiten aufmerksam zu sein. Hyperaktivität ist ein Krankheitsbild. Oft zu Unrecht werden legasthene Kinder als "hyperaktiv" bezeichnet, weil sie ähnliche Symptome wie hyperaktive Kinder zeigen, die aber nicht krankhaft bedingt sind, sondern lediglich aus der Überforderung, durch die nicht erfüllten Bedürfnisse einer individuellen Förderung, hervorgerufen werden. Interessanterweise können sich legasthene Kinder zumeist sehr vertieft und ausdauernd mit Dingen beschäftigen, welche sie interessieren. Da fällt leider das Schreiben, Lesen und/oder Rechnen nicht hinein.

Wo kann ich über den Unterschied zwischen Wahrnehmungsfehler und Rechtschreibfehler nachlesen?
Eine ausführliche Antwort darüber finden Sie im Buch „Legasthenie-Training nach der AFS-Methode" http://www.legasthenie.at/afsbuch/


 

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